Rückblick: Mongolei Expedition 2026

Zwischen Jurten, Kamelen und Regenbögen

Diesen Juli durften wir 21 Tage lang die Facetten der Mongolei erkunden, unser Weg führte uns von der Hauptstadt Ulaanbaatar bis ins Altai Gebirge im Westen der Mongolei. Dabei erwarteten uns nicht nur acht Tage Trekking und ein 4050 Meter hoher Gipfel, sondern auch eine Nomadenfamilie, ein gemeinsames Tiershelter-Projekt und ein Flugzeug, das beschlossen hatte, ohne uns abzuheben.

Unser gemeinsames Abenteuer begann früh morgens in einem Hostel in Ulaanbaatar. Um 6 Uhr rollten Jule (Expeditionsleiterin) und ich (Lucie, helping hand) aus dem Bett, um Jenny, René, Mara, Sandra, Julia und Konrad zu begrüßen. Gemeinsam würden wir die nächsten 21 Tage verbringen und das ein oder andere Abenteuer erleben. Bevor wir nun aber voller Tatendrang in den Tag starteten, genehmigten wir uns alle noch eine Mütze Schlaf. Dann waren wir bereit, die mongolische Hauptstadt zu erkunden und uns in dem Puzzle aus Tradition und Moderne zurecht zu finden. Neben buddhistischen Tempeln ragten Wolkenkratzer in die Höhe, große Einkaufszentren reihten sich an kleine Geschäfte und Essensstände füllten die gepflasterten Plätze mit Leben.
Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Besuch im Theater, wo wir eine erste Kostprobe der reichen Kultur dieses Landes bekamen. Wir lauschten Kehlkopfgesang, sowie Orchester und staunten über Schamanismus und traditionellen Tanz. Ein Tempelbesuch im Anschluss, die ein oder andere Geschichtsstunde dazwischen, abendliches mongolisches Essen sowie eine nächtliche Tanzparty auf Ulaanbaatars Straßen durften natürlich auch nicht fehlen.

Am nächsten Tag stand dann der Gepäckcheck auf dem Programm. Im Rucksack blieb nur, was man auf Trek auch wirklich gebrauchen würde. So flogen unter anderem ein fünftes Paar Socken und ein elektrischer Rasierer der Gewichtseinsparung zum Opfer. Auch wenn wir uns bei Zweiterem insgeheim bereits ein spektakuläres Fotoshooting mit Bergpanorama und Bosch Kooperation ausgemalt hatten.

Am nächsten Tag hieß es Busfahrt nach Ölgii. Zusammen mit rund 30 anderen Personen saßen wir pünktlich auf unseren Plätzen und fühlten uns ein wenig an unsere letzte Klassenfahrt erinnert. Gute 28 Stunden Fahrt hatten wir vor uns und somit genug Zeit, um miteinander zu quatschen, allerlei Sitzpositionen auszuprobieren und stundenlang aus dem Fenster zu schauen. Je weiter wir nach Westen fuhren, desto deutlicher wurde uns, wie unglaublich groß dieses Land eigentlich ist.

In Ölgii angekommen war Zeit für eine wohlverdiente Dusche und ein leckeres Abendessen, bevor es am nächsten Tag direkt weiter zum zweiten Abschnitt unserer Reise ging. Nach einer kurzen Fahrt in zwei Vans erreichten wir das Winterlager einer Nomadenfamilie. Hier würden wir gemeinsam mit Lena von der NGO, dem Vater der Familie, einem Handwerker und seiner Frau, die uns während unseres Aufenthalts mit leckerem Essen versorgte, einen Tiershelter bauen. Lena erzählte uns, vom mongolischen Winter und warum dieses Projekt so wichtig für die Familie war. Beim sogenannten Dzud werden meterhoher Schnee und Temperaturen von bis zu -40 Grad zur Herausforderung für Mensch und Tier. Der Shelter soll den Tieren in dieser Zeit einen geschützten Platz und Rückzugsort bieten.

Für die nächsten Tage sägten, hämmerten, schaufelten und buddelten wir also voller Tatendrang. Für gute Stimmung war während des Projekts durchgehend gesorgt. Aus einer riesigen Musikbox liefen zuverlässig die gleichen vier kasachischen Lieder in Dauerschleife, wir traten im Nagelhauen gegeneinander an und tanzten gemeinsam ums Lagerfeuer. Zwischen der Arbeit blieb viel Zeit für Tee, gemeinsames Essen und neugierige Fragen. Lena übersetzte fleißig und gab uns so die Möglichkeit mehr über das Leben unserer Gastgeber und deren Kultur herauszufinden.

Als am vierten Tag der Shelter schließlich stand, hieß es Abschied nehmen und Rucksäcke packen. Es ging Richtung Altai Gebirge, wo uns 8 spannende Tage Trekking bevorstanden. Um zu unserem Startpunkt zu gelangen, wurden wir abermals von zwei Vans abgeholt und dann für die nächsten 6 Stunden einmal ordentlich durchgeschüttelt, als es über holprige Wege und steinige Pfade den Bergen entgegen ging. Mit dem Fahrtwind im Gesicht, den weiten Ebenen als Panorama und unserer ersten Kamelsichtung verging die Fahrt fix.

Unser erstes Camp schlugen wir dann zwischen kleinen Flüssen, Pferden, Yaks und Hunden auf. Wir befanden uns ganz in der Nähe des Malchin Peaks, einem 4.050 Meter hohen Berg, der sich an der Grenze zu Russland in den Himmel erhebt. Dessen Spitze war am zweiten Tag unser Ziel und nach anfänglicher Sorge, ob wir in der Nebelsuppe bis zum Gipfel vordringen könnten, meinte es das Wetter gut mit uns und der Himmel klarte auf, sodass wir nach 1000 Höhenmetern eine atemberaubende Aussicht genießen durften.

In den folgenden Tagen wechselte das Panorama immer wieder. Dabei war der Alltag auf Trek genauso abwechslungsreich wie die Landschaft selbst. Wir warteten durch eiskalte Flüsse, stapften durch wässrige Wiesen, kraxelten über Steine, schlitterten Schotterwege entlang und liefen an Blumenwiesen vorbei. Begleitet wurden wir von unserem Local Guide Aman sowie unserem Camelman und seinem Sohn. Vater und Sohn ritten gemeinsam auf Pferden voraus und transportierten mit ihrem Kamel ihre und unsere Verpflegung durch die Berge. Das Kamel bekam von uns liebevoll den Namen Kamilio, nachdem wir es zunächst einige Tage für ein Mädchen gehalten und Kamilia genannt hatten.

Die Tage vergingen wie im Flug und vor allem kleine Momente auf Trek wurden schnell zu besonderen Highlights. Ein Sprung in einen klaren, kalten See, der erste Edelweißfund oder der morgendliche Kaffee mit Blick auf die Berge. Auch untereinander gab es viel zu grinsen, wenn Konrad uns stolz seinen letzten Steinfund präsentierte. Was zunächst die Leidenschaft eines Einzelnen war, entwickelte sich schnell zu einer gemeinsamen. Besonders hübsche Steine wurden gesammelt, bis zum Camp mitgeschleppt und einander gezeigt. Zwischendurch überraschte uns das Wetter immer mal wieder mit kurzem, teilweise heftigem Regenschauer. Dafür wurden wir anschließend nicht selten mit einem Regenbogen belohnt. Einmal hatten wir sogar das Glück, gleich drei auf einmal zu sehen.

Als letztes Abenteuer wartete schließlich die Heimreise auf uns. Denn natürlich wäre eine Expedition nicht vollständig, wenn am Ende alles nach Plan laufen würde. Zunächst ging es wie zu Anfang per Van und 6 Stunden Holperfahrt zurück nach Ölgii. Dort mussten wir am nächsten Morgen beim Frühstücken jedoch feststellen, dass unser Inlandsflug bereits ohne uns gestartet war. Nun hieß es umplanen, Taschen packen und ab in einen Van bis in die Stadt Altai fahren. Nach wilden Schotterstraßen, einer nächtlichen Mückenattacke und lauter Musik kamen wir schließlich nach langer Fahrt nachts in der Stadt und unserem Hotel an. Per Flugzeug ging es dann mittags zurück nach Ulaanbaatar und dort zum abschließenden Abendessen.

Nach 21 Tagen voller Eindrücke, unerwarteter Wendungen, großer Landschaften und noch größerer Gruppenmomenten hieß es schließlich Abschied nehmen. Mit dem Kopf voller Erinnerungen, der Kamera voller Bildern und dem Rucksack voller Wäsche, ging es für jeden von uns wieder nach Hause und zurück in den Alltag.

Lucie Noack

Backoffice

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