Xplore Patagonien`26 eine Nachricht von Lina ploppte auf: „Vermisse euch schon 🥹❤️💯“ (30.03.) und wenig später kamen von allen kleine Updates aus dem gegenwärtigen Leben. Wir also Dominik, Fabienne, Lina, Daniel, Julia und Anne waren das Team Patagonien 2026 und hatten zu dem Zeitpunkt bereits mehr als 22 Tage nahezu vierundzwanzigsieben miteinander verbracht, um gemeinsam ans „Fin del Mundo“ zu reisen.
Am Anfang trudelten wir nach dreizehn bis dreißig Stunden Anreise in der Hauptstadt Chiles ein und erkundeten erstmal die Stadt. Es dauerte nicht lange bis klar war, dass diese Gruppe am aller liebsten zu Fuß unterwegs war. Gut, wir waren ja zum Wandern hergekommen, also warum nicht schon ein wenig warm laufen. Die Seilbahn auf den Stadthügel San Cristobal nahmen wir nicht, natürlich nicht weil sie nicht fuhr, sondern weil wir ja viel lieber liefen. Dabei konnte man ja auch noch viel mehr entdecken und keine Minute später verkostete Lina die Kakteen, um dann mit dem Entfernen der Stachel aus den Händen der nächsten Stunde auf dem Weg nach oben nachzukommen.
Am nächsten Tag stellten wir fest, dass die meisten Museen in Südamerika Sonntags und Montags geschlossen waren. Da ahnten wir noch nicht, dass sich das durch unsere Reise ziehen würde. Neuer Plan: mehr zu Fuß laufen und entdecken.
Am nächsten Tag ging es mit dem Bus zurück nach Chile nach Punta Arenas. Wir verabschiedeten uns von unserem treuen Freund Wislon: „Auf Wiedersehen Wilson; Lo siento Wilson.“ Die Busfahrt führte uns durchs Feuerland, immer weiter Richtung Süden. In Punta Arenas verbrachten wir drei regenrische Tage, in denen wir uns auf den Trek vorbereiteten, bouldern gingen, mal wieder vor verschlossenen Museen standen und im Cafe fleißig Kaffee tranken und Skijo spielten. Skijo war so ein weiteres Element der Reise, dass nicht fehlen durfte, denn es hatte so einiges an Wartezeit überbrückt. So auch die 24h Verspätung der Fähre, die aufgrund des schlechten Wetters uns noch nicht ans Fin del Mundo bringen konnte. Die 34h Fährfahrt war entschleunigend und wunderschön. Wir alle genossen mal einen Moment, um den ersten Teil der Reise sacken zu lassen und ein wenig in uns zu kehren, bevor es auf den südlichsten Trek der Welt ging. Abwechselnd oder gemeinsam standen wir oben auf Deck und schauten nach Walen oder bewunderten die Gletscher des Parque Nacional Alberto de Agostini. Der letzte Abschnitt führte uns durch den „Beagle Kanal“ oder lieber wie die Yaghan, die Indigenen der Region, sagen „Onashaga“ bis nach „Upushwea“ (Puerto Williams). Wir kamen noch in der Morgensonne an und legten in dem kleinen Hafen an, von dem wir schon unsere Unterkunft sehen konnten. Und dann hatten wir doch noch Glück und schafften es in ein Museum. Das kleine lokale Museum informierte vor allem über die Yaghan und ihre Kultur und regte zum kritischen Dialog über koloniale Streifzüge an.
Am Abend wurden wir von Xena und Xavier eingesammelt und starteten in den Wald. Xena erklärte uns warum Fledermäuse echt cool und wichtig sind und welche es hier vor Ort gibt, bevor wir uns auf die Suche nach ihnen machten. Xena forscht zum Verhalten der Fledermäuse am Fin del Mundo. Wir unterstützten sie, indem wir Datentracker in und außerhalb der Bäume anbrachten, um herauszufinden, ob die Temperatur im Inneren der Bäume eine Überwinterungsmöglichkeit für die Fledermäuse bot, denn das war noch eine große Frage, was machten die Fledermäuse, wenn der patagonische Winter einbrach? In der Dunkelheit suchten wir mit Echolotgeräten nach Fledermäusen und wir hatten Glück. Beide Fledermausarten waren aktiv und zeigten sich, gebannt schauten wir alle abwechselnd auf die Echolotgeräte und in den Nachthimmel. Xavier erklärte uns mehr über die Planzen der Region und nach einem Picknick in dieser milden Nacht, stiegen wir langsam wieder ab.
Der nächste Tag war der erste Trektag und wir starteten im strahlenden Sonnenschein. Wir kamen am frühen Nachmittag im Camp an und sammelten erstmal Müll von anderen Wanderer:innen. Das schien leider selbst am Fin del Mundo ein Problem zu sein. Der nächste Tag war ein langer und intensiver Tag der uns an den Lago Windhond und die Cabin von Charles führte. Was für ein Luxus wir konnten in der Hütte kochen und schlafen. Während wir uns erholten, ahnten wir noch nichts von dem Erlebnis des nächsten Tages. Der Morgen begann sonnig. Gute Stimmung, klare Sicht, alles wirkte machbar. Doch je höher wir kamen, desto extremer wurde der Wind. Schließlich gerieten wir in eine Windschneise. Reden war unmöglich, selbst Schreien verschwand sofort in der Luft. Irgendwann war normales Gehen nicht mehr möglich. Das grobe Geröll unter uns und über 100 km/h Wind aus Richtung Antarktis zwangen uns auf alle vier. Also krochen wir weiter. Hinter einem großen Felsen fanden wir kurz Schutz. Dann fiel die Entscheidung: raus aus dem Windkanal und zurück an der Böschung entlang absteigen.
Am Abend erreichten wir erschöpft das Camp. Im Regen nach 1000hm und 10 Stunden auf den Beinen. Und erstmal still. Später unterhielten wir uns nochmal über die Situation und gingen gestärkt als Team raus. Das Wetter allerdings blieb bescheiden. Es regnete vortan den ganzen Tag und der Trek war mehr als matschig. Dennoch war die Stimmung gut und wir freuten uns über ein paar Outdoor Wärmeflaschen und Instant Nudelsuppe am Camp und natürlich dem warmen Schlafsack. Die Nacht wurde kalt. Wir standen auf und der sumpfige Boden war gefroren, die Äste der Bäume waren mit Frost bedeckt und Schnee lag auf den umliegenden Gipfeln. Aber die Sonne kam. Wenn auch langsam kroch sie gegen 10 Uhr in unser Camp und wir freuten uns zumindest ein Teil unserer Sachen zu trocknen. Das wurde auch schon unser letzter Tag, denn wir entschieden uns dafür durchzumarschieren. Das Wetter sah für die nächsten Tage sehr nass aus und die steilen matschigen Abstiege durch den Wald würden immer herausfordernder werden. Also beschlossen wir den Trek im Sonnenschein zu beenden. Hier hätte also dieser Rückblick vorbei sein können, aber unsere Reise ging weiter und zwar wieder in Richtung Argentinien und in die Wärme. Wir querten mit einem kleinen Boot bei viel Wellengang den Beagle Kanal nach Ushuaia. Von Ushuaia ging es nach Buenos Aires und wir streiften durch dessen bunte lebendige Straßen. Den letzten gemeinsamen Abend ließen wir mit Live Musik ausklingen und nahmen langsam alle Abschied.
22 Tage gemeinsam und so viele Eindrücke und Erlebnisse mussten jetzt erstmal verarbeitet werden. Wir waren voller Dankbarkeit für die Menschen, die uns begleitet hatten, die Natur die uns wiederum viel gelehrt hatte und füreinander.