Dominik verbindet wissenschaftliche Neugier mit Abenteuerlust. Ob als Fotograf, Expeditionsleiter oder Geograph – ihn zieht es immer dorthin, wo Natur, neue Perspektiven und unbekannte Regionen aufeinandertreffen. Im Interview erzählt er, warum Reisen für ihn weit mehr als ein Hobby sind und weshalb Grönland aktuell ganz oben auf seiner persönlichen Wunschliste steht.
Hello Dominik! Du warst bereits auf vielen Expeditionen mit uns unterwegs, von Marokko über Kirgisistan und Patagonien bis nach Sokotra. Was verbindest du ganz allgemein mit Expeditionen bei ExpeditionXplore? Und was motiviert dich dabei zu sein?
Eigentlich ist das ganz einfach: Reisen und draußen unterwegs zu sein bestimmen einen großen Teil meines Lebens. Wenn ich ehrlich bin, habe ich viele Entscheidungen in meinem Leben danach ausgerichtet, möglichst viel unterwegs sein zu können. Es ist das, was mich am meisten erfüllt und antreibt.
ExpeditionXplore passt deshalb perfekt zu dem, was ich ohnehin am liebsten mache. Es verbindet Reisen, Natur, Abenteuer und die Möglichkeit, ständig Neues zu entdecken. Besonders spannend finde ich dabei die Kombination aus eigenen Erfahrungen und dem Teilen dieser Erlebnisse mit anderen Menschen.
Ich bin unglaublich neugierig auf andere Kulturen, Landschaften und Lebensweisen. Das Reisen ist für mich auf jeden Fall eine Leidenschaft geworden – vielleicht sogar eine kleine Sucht. Und natürlich bedeutet es auch, möglichst viel Zeit in Wanderschuhen zu verbringen.
Du warst privat viel in Afrika unterwegs. Was fasziniert dich an diesem Kontinent und an den bereisten Ländern?
Vor meiner ersten Reise nach Afrika war es vor allem die Natur, die mich gereizt hat: die Tierwelt, die Landschaften und diese riesigen, offenen Räume. Das war das Bild, das ich damals im Kopf hatte.
Als ich dann dort war, habe ich aber schnell gemerkt, dass es vor allem die Menschen sind, die mich immer wieder zurückziehen. Die Begegnungen waren unglaublich herzlich, offen und authentisch. Viele Menschen begegnen einem mit einer Selbstverständlichkeit und Gastfreundschaft, die mich nachhaltig beeindruckt hat.
In vielen Regionen gehört Tourismus nicht unbedingt zum Alltag. Man ist dort oft nicht einer von vielen Reisenden, sondern als Backpacker eher eine Einzelerscheinung. Dadurch entstehen Gespräche und Begegnungen, die sich sehr ehrlich anfühlen. Einfach stundenlang am Busbahnhof auf die nächste Abfahrt zu warten und den Geschichten der Einheimischen zuzuhören, wurde für mich manchmal zum eigentlichen Reisehighlight. Man bekommt Einblicke in das Leben der Menschen und wird gleichzeitig selbst Teil ihrer Geschichte – zumindest für einen kurzen Moment.
Natürlich ist Afrika kein Land, sondern ein riesiger Kontinent mit unzähligen Kulturen, Landschaften und Lebensrealitäten. Aber genau diese Vielfalt macht ihn für mich so faszinierend und sorgt dafür, dass ich immer wieder zurückkehren möchte.
Sport ist eine wichtige Komponente in deinem Leben. Welchen Sport betreibst du? Und warum?
Bei mir muss man tatsächlich zwischen Sport in der Stadt und draußen in der Natur unterscheiden.
In der Stadt bin ich sehr ballsportorientiert unterwegs: Basketball, Volleyball, Spikeball oder Squash – Hauptsache Bewegung und ein bisschen Wettbewerb.
Sobald es raus in die Natur geht, wird die Liste noch länger: Skitouren, Wandern, Mountainbiken, Bergsteigen – und erst kürzlich habe ich mir sogar ein Kajak zugelegt. Ich versuche eigentlich, kein Fortbewegungsmittel auszulassen. (lacht)
Wenn ich mich für einen Favoriten entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich das Wandern – knapp vor dem Skitourengehen. Im Sommer kann man die Tage einfach länger nutzen, und für mich vermittelt Wandern das größte Gefühl von Freiheit. Man ist stundenlang unterwegs, bewegt sich durch unterschiedlichste Landschaften und hat Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen.
Man kommt weg von allem anderen, lässt den Alltag hinter sich und konzentriert sich auf das Wesentliche. Außerdem eignet sich Wandern perfekt für Mehrtagestouren und Expeditionen. Deshalb ist es wahrscheinlich die Sportart, die mich am meisten begleitet.
Ich kenne dich auf Tour fast nur mit Kamera. Gibt es auch einen Dominik der draußen ohne Kamera unterwegs ist?
(lacht) Ja, den gibt es tatsächlich – aber eher selten.
Gerade an neuen Orten oder bei neuen Erfahrungen ist die Kamera eigentlich immer dabei. Das gehört für mich einfach zusammen. Ich nehme mir trotzdem bewusst Zeit, die Kamera auch mal beiseitezulegen und einfach den Moment zu genießen.
Viele Berge und Touren in meiner Heimat habe ich mittlerweile schon mehrfach gemacht. Wenn ich einfach nur draußen sein möchte und keine besonderen Bedingungen erwarte, dann bleibt die Kamera manchmal zu Hause.
Trotzdem erwische ich mich regelmäßig dabei, dass ich es später bereue. Gerade wenn plötzlich das Licht besonders wird, sich eine interessante Stimmung entwickelt oder wieder mal spontan ein Steinbock vor der Linse auftaucht. Dann denke ich mir meistens ziemlich schnell, dass die Kamera jetzt doch ganz praktisch gewesen wäre.
Du hast nun deinen Master in Geografie abgeschlossen. Gibt es schon Überlegungen für eine weitere wissenschaftliche Arbeit?
Für mich geht der Weg ganz klar weiter in Richtung Wissenschaft. In der klassischen Wirtschaft fühle ich mich ehrlich gesagt eher fehl am Platz.
Aktuell arbeite ich bereits wissenschaftlich an der Universität Graz und beschäftige mich mit Naturgefahrenmodellierung und Wissenschaftskommunikation. Dabei geht es beispielsweise um Bergstürze, Tsunamis und ähnliche Prozesse. Im Vordergrund stehen die 3D-Modellierung dieser Prozesse und die anschließende VR-Darstellung, um die Kraft und Dimension potenzieller Naturgefahren greifbarer zu machen.
Gleichzeitig bin ich auf der Suche nach einer passenden PhD-Stelle, um diesen Weg weiterzugehen.
Besonders spannend finde ich derzeit Projekte mit Bezug zu Grönland. Durch den Klimawandel und den damit verbundenen Gletscherschwund ergeben sich dort viele neue Fragestellungen und Forschungsfelder. Genau in diesem Bereich würde ich gerne weiterarbeiten und auch eigene Forschungsprojekte vorantreiben.
Dafür schreibe ich aktuell verschiedene Anträge und beschäftige mich intensiv mit möglichen Finanzierungsmöglichkeiten und Forschungsvorhaben. Noch ist nicht endgültig entschieden, wohin die Reise genau geht, aber die Wissenschaft wird definitiv ein zentraler Bestandteil meiner Zukunft bleiben.
Das ließe sich ja perfekt mit Xplore verbinden! Welche Destination würden dich noch reizen und wohin darf dich die Xplore-Community noch begleiten?
Überall hin, wo ich noch nicht war! (lacht)
Wenn ich die wissenschaftliche Perspektive betrachte, dann steht Grönland aktuell ganz oben auf meiner Liste. Dorthin würde ich die Xplore-Community unglaublich gerne einmal mitnehmen.
Mich reizt die Idee, Forschung, Expedition und Dokumentation miteinander zu verbinden: Daten zu sammeln, wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten und gleichzeitig die Geschichten dahinter sichtbar zu machen.
Gemeinsam mit Patrick gibt es außerdem die Idee, erneut einen Film zu produzieren und diesen in den Dienst der Wissenschaftskommunikation zu stellen. Forschung verständlich und erlebbar zu machen, finde ich unglaublich spannend.
Deshalb ist die Vorstellung sehr reizvoll, gemeinsam mit der Crew und der Community Zeit in Grönland zu verbringen, dort sinnvoll zu arbeiten, spannende Geschichten zu erzählen und gleichzeitig wissenschaftliche Projekte voranzubringen.