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Heute mit Patrick

Wenn Patrick mit ExpeditionXplore unterwegs ist, dann ist seine Kamera nicht weit. Ob auf historischen Spuren im Tian Shan oder in der glühenden Hitze der Sahara – Patrick hält mit beeindruckendem Gespür jene Momente fest, die Geschichten lebendig machen. Im Interview erzählt er, wie ihn sein Weg von Düsseldorf nach Innsbruck geführt hat, was ihn am Filmemachen fasziniert und warum ein Sprung ins Eiswasser manchmal genau das Richtige ist.

Hallo Patrick! Schön, dass wir zusammenkommen und mehr über dich erfahren dürfen. Du bist kürzlich aus deiner Heimat in Westdeutschland nach Österreich gezogen. Was hat dich motiviert, deine neue Heimat in Innsbruck zu suchen?
Innsbruck stand tatsächlich schon vor zwei Jahren auf meinem Plan. Damals kannte ich allerdings niemanden hier, alles war noch ziemlich unsicher – deshalb hab ich es damals nicht gemacht. Aber warum wollte ich überhaupt hierhin? Ich wollte näher an der Natur sein und mich mehr mit Gleichgesinnten umgeben. Ich habe zuvor vier Jahre in Düsseldorf gelebt, aber das hat eigentlich gar nicht mehr das widergespiegelt, wofür ich stehe.
Ich will so schnell es geht raus in die Natur, mich körperlich betätigen – sei es mit Calisthenics, meinem Sport, bei dem ich die Holzringe draußen aufhänge – oder noch lieber mit der Kamera unterwegs sein. In Düsseldorf war das meist nur in Parks möglich. Ich bin dort zum Beispiel im Winter im Rhein baden gegangen – aber da wird man halt eher komisch angeschaut.
Hier in Innsbruck trifft man sofort auf Leute, mit denen man solche Dinge teilen kann. Deshalb war für mich klar: Es muss in den Süden gehen. Das war ein großer Schritt. Aber durch ExpeditionXplore und die ganzen Leute, die hier wohnen, war das eine super Möglichkeit, hier anzukommen.

 

Bei ExpeditionXplore bist du hauptsächlich als Foto- und Videograf tätig. Wie kam es dazu, dass du nie ohne Kamera losziehst?
Angefangen hat das während meines Auslandssemesters in Neuseeland, damals noch im Rahmen meines Ingenieurstudiums. Ich dachte mir: „Du bist nicht nur für Technik hier – du bist hier für diese Landschaft!“ Und wie kann man die so einfangen, dass sie nicht nur in Erinnerung bleibt, sondern auch andere begeistert – für Natur, fürs Draußensein?
Da habe ich angefangen, mich ernsthaft mit Fotografie und Film zu beschäftigen. Ich hab mir meine erste Kamera gekauft, dann eine Drohne – und versucht, das Ganze gleich auch professionell anzugehen. Während des Semesters hab ich dann z. B. für eine Kajakschule Medien erstellt: Drohnenaufnahmen, Clips – und dafür durfte ich zwei Wochen im Camp leben.
Ich hab gemerkt: Man kann Menschen mit Bildern und Filmen begeistern. Und man kann sogar davon leben. Für mich war das der Antrieb – schöne Erinnerungen schaffen, andere inspirieren, rauszugehen, die Natur zu spüren. Seitdem nehme ich die Kamera überall mit – das ist für mich selbstverständlich geworden.
Welche Filme hast du bereits mit ExpeditionXplore erstellt – und worum geht es darin?
Der erste Film entstand 2024. Es war eine historische Expedition, bei der wir den Spuren einer Reise von 1902 gefolgt sind. Es ging um eine der ersten kartografischen Expeditionen im Tian Shan-Gebirge in Kirgisistan. Martin hatte Kontakt zu einer russischen Geschichtsprofessorin von der Uni Indiana – sie hatte die Forschungsfrage: Wie hat sich die menschliche Wahrnehmung von Natur über ein Jahrhundert hinweg verändert?
Als ich davon gehört habe, wusste ich sofort: Das ist perfekter Stoff für einen Dokumentarfilm. Diese Frage nach der menschlichen Wahrnehmung treibt mich selbst total an. Und gleichzeitig war es eine einmalige Möglichkeit, mit der Kamera in ein Gebirge zu reisen, das nur ganz wenige Menschen überhaupt je zu Gesicht bekommen.
Wir hatten fünf Zielfotos aus dem Jahr 1902, die wir alle rekonstruieren wollten. Das war mit vielen Herausforderungen verbunden – aber wir haben es geschafft. Den Teaser gibt’s bereits, den Film zeigen wir bei Veranstaltungen, vielleicht ist er ja bald auch öffentlich zugänglich.
Und das zweite Projekt, gerade im finalen Schnitt, ist die Marokko-Doku. Wir sind dort durch die Sahara gezogen – mit dem Ziel, einen Permakulturgarten zu erreichen. Dabei haben wir hautnah erlebt, was die Sahara körperlich bedeutet.
Vor allem wurde uns bewusst, wie lebensfeindlich diese Region ist – und was die globale Herausforderung der Desertifikation tatsächlich bedeutet. In Europa ist das oft kaum sichtbar, aber in Spanien etwa merkt man es schon: ganze Landstriche werden unfruchtbar. In Marokko war das noch drastischer.
Wir haben gesehen, wie kleine Begrünungsinitiativen Hoffnung geben können – Wissen sichern, den Boden fruchtbar machen, Humus aufbauen, Bäume pflanzen. Mit Schaufel und Händen haben wir gemeinsam mit den Menschen dort einen Garten angelegt. Etwas zu schaffen, das über das eigene Leben hinausreicht – das ist unglaublich motivierend.
Neben den Filmen bist du auch auf vielen Community-Events und Filmvorführungen zu sehen. Wie erlebst du diese Abende?
Da steckt erstmal ganz schön viel Aufregung und Vorbereitung drin! Aber das ist es total wert. Wenn man den Film im Kino zeigt oder – wie beim Familienfest von Dr. Max Friedrichsen, dem Forscher aus Kirgisistan – direkt mit Menschen ins Gespräch kommt, ist das einfach unbeschreiblich.
Den Leuten in die Augen zu schauen nach der Vorführung, mit ihnen in Podiumsdiskussionen zu sprechen – das gibt mir Gänsehaut. Es bestätigt mich total darin, dass diese Art des Reisens, bei der man etwas beiträgt, viel tiefer geht als reines Abschalten vom Alltag.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Filmen mehr Menschen erreiche – denn in der heutigen Travel-Film-Szene geht es oft nur noch um perfekte Bilder oder luxuriöse Erlebnisse. Aber da ist so viel mehr möglich, wenn man einen tieferen Sinn vermittelt. Ich glaube, genau das hat früher Forscher und Entdecker angetrieben – und das steckt immer noch in uns. Wir müssen diese Wurzeln nur wieder freilegen. Und unsere Filmabende, bei denen wir gemeinsam schauen, diskutieren, Requisiten durchgehen – das ist für mich die schönste Form, das zu erleben.

 

Du hast nebenbei einen Vollzeitjob. Wie bringst du das mit deinem Engagement bei ExpeditionXplore unter einen Hut?
Indem man Single ist? (lacht) Nein, im Ernst – es ist definitiv herausfordernd. Es sind volle Tage, volle Wochen, vor allem wenn Reisen oder Filmschnitte anstehen. Aber mein Ingenieursjob gibt mir die finanzielle Basis – und dadurch die Freiheit, diese Projekte umzusetzen, für die ich wirklich brenne.
Momentan sind das alles noch freiwillige Projekte, die sich finanziell nicht tragen. Ich glaube aber, dass sich das in Zukunft ändern wird. Es ist herausfordernd, ja – aber gleichzeitig gibt es mir auch kreativen Freiraum. Und das ist es absolut wert.
Machst du dir manchmal Sorgen um deine Kameraausrüstung auf Tour?
Oh ja – meine größte Angst hat sich sogar schon bewahrheitet: In Kirgisistan ist meine Drohne abgestürzt. Ich hatte vorher vergessen, das Material zu sichern – und die Drohne lag dann irgendwo auf 3500 Metern Höhe hinter einem Felsen, über 4 Kilometer entfernt.
Technik auf Expedition – das ist immer ein Risiko. Feuchtigkeit, Datenverlust, Abstürze – da kann so viel schiefgehen. Und dann ist da noch die Gesundheit. In Marokko war zum Beispiel die halbe Gruppe krank. Ich war froh, dass es mich verschont hat – sonst hätte ich nichts mehr dokumentieren können.
Wenn ich merke, dass genau in solchen Momenten nichts eingefangen werden kann, dann fuchst mich das. Denn das sind oft die authentischsten Szenen – die, die das Projekt ausmachen.

 

In deiner Freizeit machst du viel Sport und gehst gerne Eisbaden. Ist das dein Ausgleich?
Definitiv! Ich hab gemerkt, dass ich extreme Ausgleiche brauche, um runterzukommen. Ob das nachhaltig ist, wird sich zeigen – aber ich achte sehr bewusst auf meinen Körper und meine Ernährung, um diese Sachen auch langfristig machen zu können.
Kälte und körperliche Anstrengung sind für mich ein Weg, Stress abzubauen. Eisbaden ist zum Beispiel eine Situation, die der Körper eigentlich vermeiden will – aber dann zu sagen: „Zehnmal tief durchatmen, alles ist gut, du hast die Kontrolle“ – das gibt mir Kraft.
Natürlich braucht das Disziplin. Es gibtauch einige Tage, an denen ich einfach keine Lust habe rauszugehen. Aber das ist meistens nur der innere Schweinehund. Wenn man einmal angefangen hat, ist es halb so wild. So geht’s mir mit dem Sport und mit dem Eisbaden. Und das tut einfach gut.
Für heuer sind wieder spannende Filmprojekte geplant. Worauf freust du dich am meisten?
Ich freue mich besonders auf das, was wir dieses Jahr in Kirgisistan mit der ETH Zürich vorhaben. Wir wollen als Erste neue Daten über die Gletscher dort sammeln – 3D-Aufnahmen, Proben nehmen – das ist eine echte Entdecker-Mission!
Ob das klappt? Mal sehen! Das Wetter, die Technik, die Gesundheit – es kann so viel dazwischenkommen. Aber genau das macht es für mich zu einem echten Abenteuer. Und darauf freue ich mich am meisten. Ich hab aber auch großen Respekt davor.

Martin Kaiser

Gründer & Expeditionsleiter