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Heute mit Jule - Expeditionsleiterin

Jule ist jemand, der Reisen nicht nur als Bewegung durch Landschaften versteht, sondern als Begegnung mit Menschen, Orten und Geschichten. Im Interview erzählt sie von ihrem ersten Sommer als Expeditionsleiterin, warum Innsbruck für sie zum Lebensmittelpunkt wurde und weshalb Expeditionen für sie vor allem eines sind: verbindend.

Jule, schön, dass du dir Zeit genommen hast. Wir möchten dich heute unserer Community etwas näher vorstellen – deinen Weg, deine Hintergründe und das, was dich bewegt, Teil von ExpeditionXplore zu sein. Du warst im Sommer 2025 zum ersten Mal als Expeditionsleiterin mit uns unterwegs. Wie war diese Erfahrung für dich?

 

Es war für mich eine sehr neue – und gleichzeitig eine sehr schöne Erfahrung. Ich durfte zwei sehr unterschiedliche Touren im gleichen Land begleiten, und sie hätten kaum vielseitiger sein können. Genau das hat für mich aber die Diversität der Region und der Reisen gezeigt.
Ich habe unglaublich schöne Landschaften gesehen, sehr viel Spaß gehabt und vor allem tolle Menschen kennengelernt. Es sind tiefe Verbindungen entstanden, davon einige Freundschaften, die sicher bleiben werden.
Du bist – ähnlich wie viele bei ExpeditionXplore – aus Deutschland nach Innsbruck gezogen. Was hat dich letztlich hierhergebracht?
Ich war einmal zu Besuch in Innsbruck. Davor hatte ich die Stadt ehrlich gesagt kaum auf dem Schirm – eher als Durchgangsstation in die Alpen. Ich habe dort eine Freundin besucht und zwei Wochen in der Stadt verbracht. Dabei habe ich mich ernsthaft gefragt, was ich eigentlich noch in Gießen mache, wenn ich genauso gut in Innsbruck leben könnte.
Innsbruck verkörpert für mich eine sehr ideale Stadt: überschaubar, familiär, lebendig und gleichzeitig ist man unglaublich schnell in der Natur. Man kann dem Trubel entfliehen, ohne auf städtisches Leben zu verzichten. Für mich ist das ein perfekter Standort, mitten in den Bergen.
Ein zentrales Element bei ExpeditionXplore sind die Projekte, die wir auf unseren Reisen unterstützen. Du warst dabei zwar nicht in der Hauptverantwortung, aber trotzdem eng involviert. Wie nimmst du diese Projekte wahr?
Vor allem als sehr verbindend, auf ganz vielen Ebenen. Innerhalb der Gruppe, weil ein gemeinsames Ziel zusammenschweißt. Aber auch zwischen uns und den lokalen Partnern, mit denen wir zusammenarbeiten.
Durch diese Projekte bleibt man länger an einem Ort, erlebt Alltägliches: wie Menschen morgens starten, wie Kinder spielen, wie das Leben vor Ort funktioniert. Das gibt einem das Gefühl, wirklich anzukommen.
Ich glaube, ohne diese Projekte würden wir das Land viel oberflächlicher erleben. Natürlich bekommt man auch so nur einen Ausschnitt, aber eben einen sehr wertvollen. Sie helfen dabei, ein ganzheitlicheres Bild von Land, Kultur und Menschen zu entwickeln.
Du hast Umweltmanagement studiert, dann Geologie begonnen und bist schließlich zur Geographie gewechselt. Was hat dich zu diesem Weg geführt?
Mir hat in der Geologie irgendwann der gesellschaftliche Bezug gefehlt. Es ist eine unglaublich spannende Naturwissenschaft, aber sie beleuchtet fast ausschließlich physische und chemische Prozesse, ohne die soziale Dimension.
In der Geographie habe ich genau diese Verbindung gefunden: das Zusammenspiel von Erde und Gesellschaft. Man kann naturwissenschaftlich arbeiten, sozialwissenschaftlich denken oder beides kombinieren. Mir hat diese Freiheit gefehlt – vor allem, um Themen wie globalen Wandel oder Klimawandel auch aus gesellschaftlicher Perspektive zu betrachten.
Rückblickend passt das sehr gut zu dem, was ich auch auf Expeditionen gerne mache: Landschaften nicht nur wissenschaftlich zu betrachten, sondern sie gemeinsam mit der Gruppe subjektiv zu erleben und unterschiedliche Wahrnehmungen zuzulassen.

Du hast einen intensiven Expeditionssommer hinter dir. Wenn du jetzt mit etwas Abstand zurückblickst – was vermisst du aus dem Expeditionsalltag?

 

Ganz klar: die feste Gruppe. Dieses Gefühl, jeden Tag mit denselben Menschen unterwegs zu sein, deren Humor man kennt, auf die man sich verlassen kann. Das gibt unglaublich viel Sicherheit und Stabilität.
Und natürlich das ständige Draußensein. Die einfache, klare Routine: morgens aufstehen, frühstücken, Rucksack packen, losgehen – egal bei welchem Wetter. Mittags kurz pausieren, abends Camp aufbauen, kochen, zusammensitzen.
Sich auf Grundbedürfnisse zu fokussieren, gibt mir viel Ruhe. Auch wenn Expeditionen objektiv herausfordernd sind, geben sie mir persönlich eine große innere Stabilität.

Ein Blick nach vorne: Wo geht es für dich im Sommer 2026 hin?

 

Im Juli geht es für mich in die Mongolei – zum ersten Mal. Wir haben dort eine sehr besondere Tour geplant. Gemeinsam mit einer mongolischen NGO setzen wir ein Bauprojekt um, entweder ein Gewächshaus oder ein Unterstand für Tiere. Danach gehen wir gemeinsam mit den lokalen Partnern auf einen siebentägigen Trek im Altai-Gebirge.
Die Weite der Mongolei fasziniert mich sehr. Und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Alles, was ich bisher darüber gehört und in der Planung erlebt habe, gibt mir ein richtig gutes Bauchgefühl – auch speziell für die Gruppe.
Zum Abschluss: Gibt es einen Ort auf der Welt, der dich besonders reizt?
Es gibt unglaublich viele. Ich habe immer wieder Phasen, in denen mich bestimmte Orte besonders faszinieren. Anfang des Jahres war es Taiwan, zuletzt South Georgia – diese abgelegene Insel mitten im Nirgendwo.
Auch Grönland ist gerade sehr präsent für mich. Grundsätzlich zieht es mich extrem weit in den Norden oder ganz in den Süden. Es gibt noch so viel zu entdecken.
Vielen Dank, Jule für dieses Einblicke! Wir freuen uns schon mit Dir wieder Draußen zu sein und die Natur und Menschen kennen lernen zu dürfen!

Martin Kaiser

Gründer & Expeditionsleiter