Notfallkommunikation

Wie können wir draußen kommunizieren?

In unserem Alltag ist es normal, kommunizieren zu können. Wir schreiben Mails in der Arbeit, SMS, WhatsApp Nachrichten, telefonieren mit Freunden und nutzen die Video-Telefonie. Damit können wir uns mit unseren Liebsten auf der ganzen Welt austauschen und in Kontakt bleiben. Ein Tag ohne digitale Kommunikation ist fast unvorstellbar.

Doch was passiert, wenn man diese Netzabdeckung verlässt und in Gegenden vordringt, die nicht digital erreichbar sind? Auf unseren Expeditionen gehört das zum Alltag. Der ein oder andere wird sich jetzt denken, gar nicht so schlimm, keine nervigen Mails oder zu viele Nachrichten, das klingt nach wahrer Entspannung. – Das ist es auch, und solange alles nach Plan läuft, reicht die Kommunikation vor und nach der Expedition. Aber in Notfallsituationen oder bei Planänderungen kann eine funktionierende Kommunikation wichtig werden und sogar Leben retten.

Wie man in Gebieten ohne Netzabdeckung eine Kommunikation aufbaut, dazu gibt es ein paar Werkzeuge und ein paar Tipps, welche wir euch nun vorstellen möchten:

Vorbereitung ist alles – reicht die lokale SIM?

In unserer modernen Welt hilft es oftmals schon, sich über die Netzabdeckungen der lokalen SIM-Karten Anbieter zu informieren. Das ist ein sehr günstiger Weg und gleichzeitig ein sehr einfacher. Wenn ihr in einer Gruppe unterwegs seid, und es mehrere lokale Anbieter gibt, ist es oft ratsam diese in der Gruppe aufzuteilen. Ihr erhöht dadurch die Möglichkeit eine Netzabdeckung zu haben. Doch selbst in europäischen Gebieten, mit teilweise hervorragenden Abdeckungen, hat man nicht überall Empfang, um eine Kommunikation aufzubauen. Daher ist es ratsam, sich mit der Topografie des Expeditionsgebiets zu beschäftigen. Sichtverbindungen zu bekannten Sendemaststandorten, hohe Punkte oder Zivilisationsbereiche, sollte man sich in der Vorbereitung auf der Karte markieren, um im Notfall dort versuchen zu können, eine Kommunikation aufzubauen. Ist man hingegen vermehrt in einem Tal oder Canyon unterwegs, sollte man sich auf die lokale SIM auch nicht mehr verlassen.

 

Als kleiner Zusatz: Bei maritimen Expeditionen, wie unseren Kajak-Touren verwenden wir gerne die Funk-Kommunikation. Durch die gute Reichweite auf dem Meer, und die Nähe zu Häfen bzw. Stützpunkten ist dies die zuverlässigste Kommunikationsform für unser Kajak-Abenteuer.

Das Satellitentelefon

Eine verlässlichere Kommunikation stellt das Satellitentelefon dar. Hierbei wird die Kommunikation, wie der Name schon sagt, direkt über eine Verbindung zum Satelliten aufgebaut. Im Alltag kennen wir die Grundzüge dieser Technik aus der Standortbestimmung – dem GPS. Wir benötigen dazu eine stabile Verbindung zu mehreren Satelliten im Weltall. Für ein zuverlässige Verbindung benötigt man eine möglichst weitläufige und vor allem klare Sicht zum Himmel. In Schluchten, Canyons und besonders Regenwaldgebieten ist dies nicht immer gegeben. Schon ein Blätterdach über einem kann dazu führen, eine sehr schlechte oder sogar keine Verbindung aufbauen zu können. Auch die Umlaufbahnen der Satelliten spielen eine entscheidende Rolle. Besonders in den zivilisierten Gebieten gibt es eine sehr gute Abdeckung durch die Satelliten, wir kennen dies im Alltag durch die Navigation über GPS. An den „Rändern der Welt“ hingegen kann sich die Anzahl der erreichbaren Satelliten stark reduzieren. Hinzu kommt, dass nicht jeder Satellit für die gewollte Kommunikation und für das genutzte Netz erreichbar ist. Aktuell gibt es drei vorherrschende Satellitennetze. Iridum ist wohl das bekannteste und in den westlichen Regionen am besten verfügbar. Beim Satellitenkommunikationssystem Iridum bewegt sich eine ganze Flotte an niedrig kreisenden Satelliten um die Erde und ermöglicht so eine Abdeckung auf der gesamten Welt. Durch die Bewegung der Satelliten, kann sich allerdings eine bestehende Verbindung auch wieder verschlechtern oder sogar ganz abbrechen. Die feststationierten Satellitennetze von Immarsat und Thuraya haben dieses Problem nicht. Die Satelliten befinden sich dabei an einem festen Standort und können bzw. müssen mit der Antenne des Geräts „angepeilt“ werden. Einschränkungen dabei sind, dass bereits kleine Hindernisse auf der direkten Verbindung zum Satelliten empfindlich stören können und sich dies durch den fixen Standort auch nicht verändert. Bei Thuraya kommt hinzu, dass die Netzabdeckung nicht weltweit besteht, der Kontinent Amerika beispielsweise wird durch die beiden Satelliten dieses Netzes nicht abgedeckt. Auch die Polarregionen können nur mit Iridium abgedeckt werden.

 

Ein Satellitentelefon hat schon mal eine deutlich bessere Verfügbarkeit in Gebieten ohne oder nur mit schwacher Netzabdeckung als der reguläre Mobilfunk, aber eine 100% Garantie für eine stabile Kommunikation gibt es auch hier nicht. Der Rest bleibt das Abenteuer. 

Dennoch nehmen wir auf unseren Expeditionen, in entlegene Gebiete ein Satellitentelefon mit. Für die Kosten müsst ihr zum einen das Telefon selbst und zum anderen die SIM-Karte, also den Tarif davon berücksichtigen. Bei den Geräten gibt es einen großen Gebrauchtmarkt mit akzeptablen Preisen. Für die Tarife hingegen gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Für den einmaligen Einsatz gibt es attraktive Prepaid-Lösungen, allerdings muss man dann beachten, dass die Verbindung nach Ablauf der Minuten, auch im Notfall, abbricht. Für „Vieltelefonierer“ gibt es einen monatlichen Vertrag, wie beim Handy, allerdings deutlich teurer. Für die private Expedition lohnt es sich entweder unter Gleichgesinnten die Kosten zu teilen oder das Telefon für den Zeitraum auszuleihen. Die Tarife unterscheiden sich auch zwischen den genutzten Netzen. Das weltumfassende, dynamische Netz Irdium ist dabei am teuersten, die stationären Netze Inmarsat und Thuraya hingegen sind kostengünstiger.

 

Wir nutzen meist die Netze von Iridium und leihen uns die Geräte und Tarife bei M-Cramer [https://m-cramer-satellitenservices.de] aus.

 

Mit dem Satellitentelefon kann man, bei ausreichender, stabiler Verbindung, eine direkte Verbindung – Sprache zu Sprache – mit dem Gesprächspartner aufbauen. Sehr gut, um die Situation zu beschreiben, weitreichende Absprachen zu treffen oder unter Anleitung eine verletzte Person zu behandeln. Beachtet dabei, dass die Gespräche, durch die Verbindungsart, oft verzögert sind. Vor allem in Notfallsituationen heißt es da Ruhe bewahren und die Antwort des Gesprächspartners abwarten.

Notfallkommunikationsgeräte – Garmin InReach, FindMeSpot

Mit einer ähnlichen Technik, aber mit einer anderen Kommunikationsart gibt es dann noch die Notfallkommunikationsgeräte von z.B. Garmin. Die Produktvielfalt und die Möglichkeiten dieser Geräte entwickeln sich laufend weiter und so gibt es mittlerweile eine große Bandbreite an Möglichkeiten auf dem Markt. Ich möchte hier auf zwei dieser Möglichkeiten eingehen, welche auch in unseren Planungen bei ExpeditionXplore eine Rolle spielen.

Schon etwas älter, aber im Kern immer noch eine sinnvolle und vor allem kostensparende Variante, auch für den Outdoor-Alltag, sind die FindMeSpot Geräte. Auf einem solchen Gerät befindet sich ein SOS-Notfall-Knopf, welcher bei Betätigung eine Notfallmeldung mit GPS-Standort an eine zentrale Leitstelle in den USA via Satelliten sendet. Diese Leitstelle setzt sich dann mit den verfügbaren, lokalen Einsatzkräften in Verbindung. Doch Achtung, das Gerät allein erfüllt diesen Service nicht, es benötigt dazu einen aktiven Service-Vertrag mit dem Anbieter der Leitstelle. Also auch hier gilt wieder: Gerät und Vertrag sind notwendig.

 

Bei der neueren Generation und auch bei den Geräten InReach Mini von Garmin bieten die Geräte zusätzlich eine Zwei-Wege-Kommunikation an. Bedeutet neben dem Senden der Nachrichten ist man auch in der Lage, Text-Nachrichten zu empfangen. Sowohl die Leitstelle, als auch die lokalen Rettungskräfte oder andere, an der Rettung beteiligte Personen, können sich so zurückmelden. Sei es für ein Statusupdate oder eine Rückfrage, die Zwei-Wege-Kommunikation kann vor allem bei längeren Rettungswegen sehr hilfreich sein. Auch bei Planänderungen oder zur Absprache mit lokalen Partnern im Basislager ist eine Bestätigung der Nachricht oftmals sinnvoll. Wie bei den anderen Geräten läuft die Kommunikation hier aber auch über Satelliten. Gibt es zu diesen keine Verbindung, ist eine Kommunikation nicht möglich. Als Vorteil zum Satellitentelefon ist hier allerdings zu nennen, dass eine einzelne Nachrichten einen deutlich geringeren Anspruch an den Empfang zum Satelliten hat, als ein gesamtes Gespräch. Zumal die Geräte mehrere Nachrichten über einen längeren Zeitraum hinweg versenden und so eine Übertragung zumindest einiger Nachrichten wahrscheinlicher ist.

 

Zu beachten ist, vor allem bei längeren Expeditionen, die Akkulaufzeit der Geräte. Wie auch beim Handy hängt diese stark von der Nutzung der Geräte und Funktionen ab. Es lohnt sich daher, im Vorfeld die Akkulaufzeit bei den eingeschalteten Funktionen zu testen und anschließend die notwendige Stromversorgung zu ermitteln. Sollte das Notfallkommunikationskonzept auf diesem Gerät beruhen, empfiehlt es sich, immer eine Reserve-Powerbank mit passenden Kabeln und Anschlüssen in einem wasserfesten Behältnis dabei zu haben.

 

Darüber hinaus bieten die Geräte meist noch andere sinnvolle Funktionalitäten, wie z.B. das Einholen des Wetterberichts in der Region, das Senden von täglichen vorformulierten Updates oder das Aufzeichnen und Übermitteln von Wegpunkten. Dazu erwartet Dich bald in einem anderen Beitrag mehr.

 

Bei all diesen Kommunikationsmöglichkeiten spielen ebenso die Fähigkeiten, Möglichkeiten und Verfügbarkeiten der lokalen Rettungskräfte eine entscheidende Rolle. Dies hat allerdings zunächst nichts mit der reinen Kommunikation zu tun, und wird daher im nächsten Beitrag zu Notfallmanagement behandelt.

Kommunikationsketten und Notfallschemata

Um ein umfangreiches Konzept einer Notfallkommunikation für Expeditionen aufzubauen, benötigt es noch mehr als nur die Kommunikation zu den Leitstellen und Rettungskräften. In unseren Abläufen existiert zum einen das Headquater in Deutschland oder Österreich mit einer zuständigen Back-Office Person für die Expedition, sowie auch das lokale Basislager. In den europäischen Destinationen kann dies z.B. unser Campingplatz oder Hostel zum Start der Tour sein. In den weltweiten Destinationen arbeiten wir meist mit lokalen Partnern zusammen, welche Organisationen oder Freunde über unser Vorhaben informieren. Wichtig ist dabei, Rollen zuzuweisen und diese Rollen mit Handlungen für Notfälle zu versehen. Die Personen müssen wissen, dass sie Teil des Notfallkonzepts sind und welche Handlungen von ihnen erwartet werden. Klingt zunächst banal, kann aber in der Notfallsituation sehr hilfreich sein und damit die Kommunikation erleichtern bzw. die notwendige Kommunikation verringern. – Denn wie wir oben schon festgestellt haben, eine 100%ige Garantie für eine nutzbare, stabile Verbindung gibt es in Expeditionsgebieten, auch mit modernster Technik, nicht.

 

Auch innerhalb der Expeditionsgruppe ist Kommunikation wichtig und kann ein entscheidender Faktor werden. Oftmals ist der Unfallort nicht an den besten Orten zur Kommunikation, oder Rettungskräfte müssen eingewiesen werden. Bedeutet, zwischen der verletzten Person und dem möglichen Kommunikationsstandort entsteht eine Distanz. Je nach Gruppengröße und Rettungsmaßnahmen kann man dabei auch die Gruppe einbinden und sozusagen eine „Laute Post“ als Kommunikationskette aufbauen. Besteht der Luxus über zwei Notfallkommunikationsgeräte zu verfügen, eignen sich diese auch, um kurze Kommunikation zwischen den Geräten herzustellen. Oder man greift auf Funk-Handgeräte zurück. Achtung dabei aber auf die Qualität der Geräte, sowie Akku-Laufzeiten und Wetterempfindlichkeit. 

Fazit

Kommunikation ist wichtig und unsere alltäglichen Kommunikationsformen funktionieren in der Wildnis meist nicht mehr. Daher ist es unabdingbar sich im Vorfeld mit den Möglichkeiten vor Ort zu befassen, Schemata mit klaren Rollen zu entwickeln und die Auswahl der richtigen Geräte zu treffen. Wichtig ist dabei die Notwendigkeit von Zwei-Wege-Kommunikation über Text oder Sprache zu definieren und die internen Kommunikationswege, auch in der Gruppe, zu bewerten und im Vorfeld zu besprechen.

 

Mit diesem Beitrag hoffen wir euch einen kleinen Überblick über die Faktoren zur Auswahl der richtigen Geräte gegeben zu haben. Wir wünschen viel Erfolg bei deinem nächsten Abenteuer!

Martin Kaiser

Gründer & Expeditionsleiter